Rettungsstellen für das Grubenrettungswesen

Hauptstelle Essen, Hauptstelle Aachen-Mariadorf, Hauptrettungsstelle Maybach-Ostschacht / Saar, Hauptstelle Amberg, Hauptstelle Clausthal/Harz, Hauptstelle Halle/Saale, Hauptstelle Zwickau-Oelsnitz, Hauptstelle Beuthen, Hauptstelle Waldenburg, Hohenpreissenberg/Oberbayern


Auf der Bergwerksgesellschaft Hibernia in Herne bildete sich 1898 die erste Rettungstruppe nach den Vorschlägen des Bergwerksdirektors G.A. Meyer

                                                                                Bergwerksdirektor D. G .A. Meyer

 

 

Im Jahre 1906 wurde im Aachener-Steinkohlebezirk, auf der Grube Maria, eine Hauptrettungsstelle gebaut mit einer grossen Anzahl von Rettungsgeräten, auf der regelmässig Rettungsmannschaften aller Aachener Gruben ausgebildet wurden. Weiterhin erhielt sie einen Rettungswagen mit allem nötigen Geräten, also ein fahrendes Magazin das im Ernstfall von jeder Grube sofort angefordert werden konnte. Dieses System war im deutschen Bergbau die erste zentrale und gleichzeitig dezentrale Ausstattung.  Die Rettungsstellen der jeweiligen Gruben wurden weiterhin ausgebaut.

                                                                Oberschlesische Rettungszentrale Beuthen 1915    Dräger-Hefte

 

Die 1907 von der Deutschen Knappschafts-Berufsgenossenschaft in Beuthen  bei der Heinitz-Grube  gegründete, von Prof. H.W.Woltersdorf ausgebaute Hauptstelle für das Grubenrettungswesen war bis in die 40er Jahre die erste und grösste bergmännische Rettungsanlage in Deutschland  und die erste Einrichtung Weltweit dieser Art. Das Gerätelager hatte eine Grösse von 250 Quadratmetern , über 70 Gasschutzgeräte und viele Wiederbelebungsgeräte. Ihre Entstehung verdankte sie dem grössten Grubenunglück aller Zeiten, der Schlagwetterkatrastrophe von Courrieres in Frankreich am 6. März 1906 der 1099 Bergleute zum Opfer fielen.


In den Jahren 1908 und 1909 wurde in Waldenburg ein Zentralrettungslager für die Waldenburger Steinkohlengruben errichtet, bestehend aus einem Übungshaus, Geräte und Vortragshaus, Werkstatt, Waschraum, Raum für einen Bereitschaftswagen und einer Wohnung für den Gerätewart. Eine eigene Mannschaft hatte diese Zentralstelle nicht. Sie sorgte für die Ausbildung von Rettungsmannschaften und hatte eine beratende Funktion bei Unglücken.



In der Organisation des Grubenrettungswesens sind zwei Systeme zu unterscheiden.   Das aktive zentrale System: Das heisst, Berufsgrubenwehren in ständiger Alarmbereitschaft auf einer mit allen Rettungsmitteln ausgerüsteten Zentralstation.
Das passive zentrale System mit folgenden Aufgaben. Ausbildung der Grubenwehren, Begutachtung und Überwachung der Rettungsstationen, Gerätekontrolle, Organisation der gegenseitigen Hilfeleistungen, u.s.w. Die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen im Oberbergamtsbezirk Dortmund  wurde auf Veranlassung des Bergbaulichen Vereins im Jahre 1911 geschaffen. Zu einer Zeit als ein großer Teil der Ruhrzechen bereits mit Rettungsstellen ausgerüstet war. Eine Zentralrettungsstelle mit einer Standgrubenwehr fand daher nicht mehr alle Vorbedingungen.

Gerätelager der Grube Hausham in Oberbayern. Die Grubenwehr bestand aus 18 Beamten und 40 Bergleuten. Das Gerätelager war mit 12 Bergbaugeräten Draeger 1924 ausgerüstet.

Es gab noch Rettungslager der Zechen Peißenberg, Penzberg, Nonnenwald                                                                                            Dräger-Hefte

 

 

Das Grubenrettungswesen in den deutschen Bergbaurevieren außerhalb des Ruhrgebietes hat sich ähnlich entwickelt. In den Jahren 1907 bis 1910 entstanden Haupt - oder Zentralstellen für das Grubenrettungswesen. Es waren die Hauptstellen Aachen, Beuthen, Clausthal-Zellerfeld, Halle und Waldenburg und in Sachsen die Unfallhilfestellen Borna, Ölsnitz und Zwickau. Im Saarbergbau wurde erst 1936 von der Saargruben AG  eine Hauptstelle eingerichtet. In Bayern begnügte man sich angesichts der wenigen Betriebe mit einer Überwachung durch den Sachbearbeiter der Sektion der Knappschaftsberufsgenossenschaft. Die Regelung des Grubenrettungswesens in den einzelnen Bergbaurevieren blieb im Wesentlichen den Hauptstellen überlassen. 
Nach 1945 kamen die beiden schlesischen Hauptstellen unter polnischer Verwaltung. In der sowjetisch besetzten Zone wurde das Grubenrettungswesen nach Fortfall der Hauptstelle Halle und der sächsischen Unfallhilfestelle unter der am 1. July 1949 neugegründeten Hauptstelle Leipzig zusammengefaßt. In Westdeutschland blieben die von den Gruben des Aachener Reviers errichtete Hauptstelle Aachen,  die von der Bezirksverwaltung Clausthal-Zellerfeld der Bergbauberufsgenossenschaft getragene Hauptstelle Clausthal-Zellerfeld und die Hauptstelle des Steinkohlenbergbauvereins in Essen bestehen. 1956 kamen dazu die Hauptstelle der Saarbergwerke AG in Saarbrücken und zur Betreuung des süddeutschen Bergbaus die Hauptstelle der Bezirksverwaltung München der Bergbauberufsgenossenschaft in Hohenpreissenberg. Die fünf Hauptstellen betreuten Ende 1959 ,  231 Grubenrettungsstellen mit 8504 Grubenwehrmitgliedern. Sie verfügten über 2789  Kreislaufgeräte mit je 300 Liter Sauerstoff und 1355  Kreislaufgeräte mit je 400 Liter  Sauerstoff. 
Der Hauptstelle in Essen sind in den 50er Jahren alle Schachtanlagen im Oberbergamtsbezirk Dortmund angeschlossen. 130 Gruben - und 69 Gasschutzstellen stehen den Wehren zur Verfügung. Auf 21 Schachtanlagen können die Grubenwehren mit Hilfe von UKW-Funkalarmanlagen und auf 3 Zechen mit Alarmanlagen anderer Systeme auf schnellstem Wege zum Einsatz herbeigerufen werden. Neben den drei ständig in Alarmbereitschaft stehenden Berufsgrubenwehren Prosper, Rheinelbe und Rheinpreußen sind mehr als 5500 Bergleute Mitglieder der freiwilligen Grubenwehren. Diese Zahl entspricht etwa 2,2 %  der Belegschaft unter Tage des Ruhrbergbaus. In den Grubenrettungsstellen befinden sich 1700 Sauerstoff-Kreislaufgeräte, dazu über 500 Druckschlauchgeräte und 600 Wiederbelebung und Inhalationsgeräte. Die Untertagebelegschaft des Ruhrgebietes ist vollständig mit CO-Filter-Selbstretter ausgerüstet. Der Ruhrbezirk ist das erste Bergbaugebiet, in dem CO-Filter-Selbstretter für alle Bergleute eingeführt worden sind.

 

                                                       Wandsprüche aus Grubenrettungsstellen

 

                               

Prüfe stehts zur rechten Zeit
Sauerstoffmenge und Dichtigkeit
Kalipatrone und Luftumlauf
Dann in den Schacht!  Glückauf!



Erst die eigene Sicherheit
dann die Arbeit
Überanstrenge Dich nie


Stehe still und sammle Dich    ( Wilhelm Haase-Lampe )


Wenn Eure Kameraden sind in Not
Scheut Mühen nicht und nicht den Tod
Bevor Ihr Ihnen helfen geht
Prüft sorgsam vorerst das Gerät


Benutze nie ein ungeprüftes Gerät.


Geht stehts im Trupp: 1 Führer, 4 Mann.


Zeige in Ruhe Geschick und aufwärts den Blick


Nur das Einfache hat im Ernstfalle Erfolg.  ( GW-Beuthen )


Erst wägen, dann wagen!     ( GW-Beuthen )


Führer: Niemals geht ein Wehrmann allein,
die Gruppe geht geschlossen vor und zurück.

Wehrmann: Erst die eigene Sicherheit, drum prüf deine Gerät

Sei ruhig, mutig und besonnen,

dann wird dir auch Gott zu Hilfe kommen     ( Ludwigsglück-Grube )

 

 

 

Rettungsmann! Erst die eigene Sicherheit, dann die Arbeit!

Prüfe dein Gerät!

Zeige in Ruhe Geschick und aufwärts den Blick   ( Adolf von Hansemann )


Wehrmann: Erst die eigene Sicherheit, drum prüf dein Gerät
Sei ruhig, mutig und besonnen
dann wird dir auch Gott zu Hilfe kommen.  ( Ludwigsglück-Grube )


Sicherheit voran  ( Ludwigsglück-Grube )


Vor dem Gebrauch prüf dein Gerät
Dann hast du deine persönliche Sicherheit   ( Mathilde-Grube-Westfeld )


Folge dem Führer, geh nie allein,
sonst kannst du verlieren Hals und Bein    ( Schachtanlage Fr. Thyssen 1/6 )


Ruhe und Besonnenheit beim Rettungsdienst fürwahr
den Rettungsmann behütet vor Tod und Gefahr    ( Friedrich Thyssen 1/6 , Hamborn )


Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt    ( Zeche Erin )


Erst wägen, dann wagen!         ( Hauptrettungsstelle Beuthen )


Vor dem Gebrauch prüf dein Gerät
dein Leben sonst am Spiele steht       ( Hohenzollerngrube )


Vor dem Anlegen prüf dein Gerät
dein Leben auf dem Spiel sonst steht!     ( Hauptrettungsstelle Clausthal )


Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten!     ( Hauptrettungsstelle Clausthal )


Sei bereit, wenn's Zeit     ( Heinitzgrube )


Der Grubenwehrmann kennt nicht Ruh
Bereit stehts ist er immerzu
Wenn waltet Schicksalsmacht
Bei Tag und auch bei Nacht       ( Grube Nelson )


Wenn Eure Kameraden sind in Not
Scheut Mühen nicht und nicht den Tod
Bevor Ihr Ihnen helfen geht
Prüft sorgsam vorerst das Gerät     ( Emanuelssegengrube )


In Stille wirken und sorgen ist Tat
für heute und morgen    ( Bergschule Bochum )


Rettungsmann, wenn Atemnot
dann denke an das Hauptgebot
Stehe still und sammle dich          ( Zeche Mont-Cenis )


Vor dem Gebrauch prüf das Gerät
Dein Leben auf dem Spiel sonst steht     ( Zeche Victor-Ickern )


Der brave Rettungsmann denkt an sich selbst zuletzt    ( Zeche Bruchstrasse )

 

Szczesc-Boze! Przed potrzeba zbadaj narzedzie, masz twe osobne zabezpieczenie!

Gott gebe dir GFlück! Vor dem Gebrauch prüf dein Gerät,

Dann hast du deine persönliche Sicherheit!      ( Rettungsstelle Mathilde-Grube-Westfeld in Lipiny )

 

 

 

                               Anforderungen eines Grubenwehrmannes 1938


Nach welchen Gesichtspunkten richtet sich die Auswahl der Grubenwehrmänner.
Unter erschwerten Verhältnissen sind im Ernstfall die Hilfeleistungs- und Sicherungsarbeiten durchzuführen. Deshalb sind an die Mitglieder der Grubenwehr besonders hohe Anforderungen zu stellen. Hierzu gehört das jeder Grubenwehrmann gesundheitlich den körperlichen Anstrengungen gewachsen sein muss. Ausschlaggebend sind fachliches Können und charakterliche Eignung. Zur charakterlichen Eignung gehört an erster Stelle die Kameradschaftlichkeit. Mit der Kameradschaftlichkeit steht und fällt die Leistungsfähigkeit der Wehr, die auf Leben und Tod miteinander verbindet. Mut und Tapferkeit gegen alle vorkommenden Gefahren, sei es im Vorgehen gegen gefährliche Gase oder in Überwindung schwieriger bergmännischer Verhältnisse. Neben der Ausbildung im Gerät soll noch die Ausbildung als Nothelfer hinzu kommen und das noch fehlende Können in fachlichen Arbeiten, insbesondere der Mauerarbeiten. Die Merkmale und Eigenschaften aller in der Grube vorkommenden Gase muss der Grubenwehrmann genau so gut kennen wie die einzelnen Teile des Gasschutzgerätes. Die Zentralprüfeinrichtung über Tage fällt beim Dauereinsatz in der Grube aus. Deshalb soll der Grubenwehrmann in der Lage sein, die Einzelteile des Gerätes selbst zusammenzubauen. Im Ernstfall soll er verstehen die beschädigten Teile selbst auszuwechseln oder aus mehreren beschädigten Geräten ein brauchbares Gerät herzustellen. Ihnen ist der Gerätewart  ein unterstützender Kamerad.


Die an den Grubenwehrmann zu stellenden Anforderungen gelten auch für den Truppführer. Der Truppführer sorgt dafür das sein Trupp eine in sich fest geschlossene und sich ergänzende Mannschaft ist. Für genügende und richtige Ausbildung seines Trupps ist er voll verantwortlich. Beim Einsatz sorgt der Führer zu aller erst für die Sicherheit der ihm anvertrauten Grubenwehrmänner um anschliessend die Rettung der in Gefahr befindlichen Bergleute anzugehen.


Der Oberführer: Für ihn gilt der " von Moltkesche Satz," Der Führer muss mehr sein als scheinen! Er steht dafür ein, das alles Rettungsmaterial in gutem Zustand oder neuesten Stand ist. Er ist dafür verantwortlich das seine Grubenwehr auf hohem Niveau ausgebildet wurde. Für das Wohlergehen aller im anvertrauten Männer ist er ganz besonders bemüht. Nur dadurch wird es möglich sein Höchstleistungen in Einsätzen zu erzielen. Mit ihm steht und fällt das Können der Grubenwehr.

 

                                 Die Bedeutung des Gerätewartes

 

Sage mir was deine Rettungsmannschaft in der praktischen Arbeit erreicht, dann sage ich dir was dein Gerätewart wert ist.

Ein Gerätewart braucht in erster Linie das volle Vertrauen seines Oberführers und dessen Truppführer und nicht nur bei der Bestellung von Ersatzteilen. Er braucht im besonderen das Vertrauen der Truppe selbst. Das ihm anvertraute Gerätelager muss von ihm gepflegt werden und vor allen Dingen die Prüfung auf Dichtigkeit der Geräte ausüben. Der Trupp selbst aber soll nie vergessen, dass es ein strenges Gebot ist, niemals mit ungeprüften Geräten in den Einsatz oder Übung zu gehen. Der Grubenwehrmann muss wissen das irgendwelche auffällige Erscheinungen bei der Benutzung des Gerätes  nach der Übung oder im Einsatz dem Gerätewart mitgeteilt werden muss. Er ist DEIN bester Freund, denn er weiss, dass er der Hüter deines Lebens ist. Der Gerätewart ist gewissermassen die technische Seele des ganzen Rettungswerkes. Er kennt die sogenannten Sauerstofffresser seines Trupps und wird sie vor übermässiger Benutzung des Sauerstoff-Zusatzventils warnen. Er kennt die nervösen Kameraden, er kennt die Tollkühnen des Trupps, die er mit sanften Worten an die Schönheit des irdischen Daseins erinnert. Für das Verpassen von Atemmasken muss er auf gewisse anatomische Feinheiten eingestellt sein. Er hat dabei einen ständigen Kampf mit den Nasen des Trupps zu führen, die er durch Anwendung bestimmter Kniffe in den Innenhilfsmasken unterbringt. Er ist ein Feind des Schnurrbarts und ein Gegner des Vollbarts.

Ein Gerätewart soll Schlosser, Feinmechaniker, Sattler, Gummiarbeiter, oft auch Schreiner, Maler Klempner sein und auch etwas von der Schneiderei verstehen. Da er in der Regel ein geborener Erfinder ist, werden bei ihm diese handwerklichen Fähigkeiten erwartet. Nur unsere aussergewöhnlich grosse Bescheidenheit hindert uns daran, dies in aufdringlicher Weise öffentlich zu betonen.

                                                                                                                                                                             Ein Gerätewart von der Ruhr   1928

 

                                                      Grubenwehreinsatz

 

                                                           Grubenrettungswagen der Schachtanlage Minister-Stein  1927


Der Grubenrettungswagen ist ein zweiachsiger Anhängewagen mit 2,5 Tonnen Tragfähigkeit. Er konnte an jeden Lastkraftwagen angehängt werden. Mit dem Anhänger konnten 6 Rettungsleute und 10 Rettungsgeräte Modell 1924 befördert weren.  

Entscheidend ist im Ernstfall die Schnelligkeit des Einsatzes der Grubenwehr, desto grösser die Möglichkeit Menschenleben zu retten und grösseren Sachschaden zu verhüten. Der Alarm wird mir den modernsten Nachrichten - und Verkehrsmitteln durchgeführt. Deshalb ist der Oberführer im Betrieb oder in seiner Wohnung durch das Fernsprechnetz oder Werkfernsprecher erreichbar. Je näher der Grubenwehrmann beim Werk wohnt, desto vorteilhafter beim Alarm. Daher empfahl es sich den Alarmdienst zu motorisieren. Fertig vorgeschriebene Alarmbriefe für jedes Mitglied der Grubenwehr vereinfachte die Arbeit. Der erste erreichbare Motoradfahrer wurde mit den Alarmbriefen der zu alarmierenden Grubenwehrmänner nach den anderen geschickt. Jeder Fahrer bekam nur einen Alarmbrief. Der Motoradfahrer hatte dann die Aufgabe den einen Mann zur Grubenwehr zu bringen. 

 

                                                        Motorisierter Dienst für den Alarm der Grubenwehr   1938      Dräger-Hefte

 

                                                         Übungsstrecken

 

Der Ausdruck Übungsstrecke kommt aus der bergmännischen Ausbildungsarbeit für den Gebrauch des Zweistunden-Sauerstoff-Schutzgerätes. Die erste systematisch durchdachte Übungsstrecken entstanden an der Ruhr in der Bergschule Bochum und Zeche Hibernia. Wenig später entstanden diese auch an der Saar und in Oberschlesien. Die Vergasung geschah durch schwelendes Material wie Putzwolle, Hufspäne aber auch durch Schwefeldämpfe. Hier war man anfangs der Meinung, eine Übungsstrecke könne nicht schwierig genug sein. Wiederum konnte der Bergbau seine Übungsstrecken nicht schwieriger machen, als der Untertagebau ohnehin schon war.     ca. 1910

 

                                                                         Grubenwehrmann am Schlaghammer

Die Übungsstrecke der Zeche Luisenthal im Saarland stellte im deutschen Grubenrettungswesen ein Novum dar. Sie wurde in einer Bergehalde hergerichtet.

 

                                                             Vergasung im Übungsraum nach 1918

Die Erprobung von Gasschutzgeräten im Stinkhaus ( Übungsraum ) verlangte ein Verfahren mit unatembarer Luft. Diese unatembare Luft sollte so beschaffen sein das sie den übenden Trupp die Wichtigkeit eines dichten Gerätes vorzeigte. Gleichzeitig sollte die Gesundheit der Übenden nicht in Gefahr gebracht werden. Ein Teil aus dem ersten Weltkrieg bekannten Augenreizstoffen wurde hier angewendet. So liess sich die geringste Undichtigkeit feststellen. Weiter wurde zur Verunreinigung des Übungsraumes, Rauchentwickler benutzt. Sehr oft wurden Rauchkonzentrationen hergestellt, die keineswegs harmlos waren. Das immer noch weit verbreitete Verfahren war die Qualmentwicklung im Ofen durch schwelende Verbrennung von Lumpen, Gummischläuchen, Putzwolle, feuchtes Holz u.s.w.

 

Nach dem Unglück am 11. Februar 1925 auf Minister Stein wurde ein Rettungswagen für den Aachener Bezirk angeschafft der 10 Dräger Geräte 1924, Reservesauerstoffflaschen sowie Alkalipatronen unterbringen konnten. Damit konnten 2 Trupps von je 5 Mann innerhalb von 30 Minuten alle Zechen im Aachener Bezirk erreichen. Dieser Wagen war der Erste in Deutschland der als Rettungskraftwagen bei einer Firma in Auftrag gegeben wurde.

 

Im südbelgischen Steinkohlenbezirk des Hainaut sind über 100 Schachtanlagen in Betrieb die seit 1935 bei einer Belegschaft von 76000 Mann ca. 16 Millionen Tonnen Kohlen fördern. Die Grubengasentwicklung ist erheblich, sie liegt zum Teil bis 80 m³ je Tonne. Innerhalb von 10 Jahren (1925-1935) sind bei 92 Gasausbrüchen 34 Bergleute verunglückt. Das Grubenrettungswesen von Hainaut ist unter dem Gesichtspunkt einer schnellen Hilfeleistung bei Gasausbrüchen aufgebaut worden. Dabei wurden anstatt einzelner Grubenrettungsstellen drei Rettungsstellen erschaffen. Im Westen Frameries, in der Mitte Ressaix, im Osten Marcinelle. Die Grubenwehr ist 18 Mann stark und gliedert sich in 3 Gruppen zu 6 Mann. Die Wehrleute gehören der Belegschaft benachbarter Schachtanlagen an und wohnen nahe der Zentrale. Das Stammpersonal besteht aus dem Leiter und 2 Kameradschaftsführern die zugleich Gerätewart und Kraftwagenfahrer sind.

 

 

                                    Gasschutzgeräteräume des Bergbaus