Grubenunglück auf dem Bergwerk Grimberg 1946

 

 Am 20. Februar 1946 kamen 405 Bergarbeiter, darunter der Betriebsleiter und drei britische Offiziere der "North German Coal Control", bei einer Explosion in 930 Meter Tiefe im sog. Schacht Kuckuck ums Leben. Sie erstickten, verbrannten oder wurden von umherfliegenden Trümmern erschlagen.  Gegen 12.05 Uhr entzündete ein Funke ein explosives Luft-Methangas-Gemisch. Auf diese Schlagwetterexplosion folgte eine noch stärkere Kohlenstaubexplosion. Die Druckwelle war so heftig, dass sie durch den 900 Meter tiefen Förderschacht nach oben schlug und über Tage die technischen Anlagen zerstörte. Drei Arbeiter verloren dort ihr Leben.  Es ist nicht klar, ob es sich ursächlich um eine Schlagwetter- oder Kohlenstaubexplosion handelte, doch kritisierte der Untersuchungsbericht hinsichtlich des  Kohlenstaubs „Vom Streb bis in den Querschlag ging man wie auf einem Teppich“. Die meisten Leichen konnten nicht geborgen werden und blieben in der Grube. Zu den insgesamt 408 Toten, von denen drei später im Krankenhaus starben, zählten auch der Werksdirektor und drei britische Offiziere der North German Coal Control (NGCC). Sie hatten sich in der Zeche über einen modernen Kohlehobel informieren wollen.Die Rettungsarbeiten waren ein Wettlauf gegen die Zeit. Grubenwehren aus zwölf benachbarten Bergwerken rückten unter großen Schwierigkeiten an. So kurz nach Kriegsende fehlten Lastwagen, die Rettungsgeräte hätten heranschaffen können. Hinzu kamen schlechte Straßenverhältnisse.  Wegen der ausgefallenen Belüftung kam es zu Nachexplosionen. Auch Brände breiteten sich aus. Die Verantwortlichen beschlossen daher schon bald, die Schächte zu verfüllen und die Verbindung zur Nachbarzeche Grillo mit einem 50 Meter-Damm abzudichten. Bei einem letzten Kontrollgang trafen Grubenwehrmänner plötzlich noch auf einen Überlebenden, der von weiteren Verletzten sprach. Die Retter konnten am Abend des 23. Februar noch acht Männer lebend bergen. Danach wurde die Grube verschlossen und  bis 800 m Teufe verfüllt. Als Messungen ergaben das die Grubenbrände nach 14 Wochen immer noch nicht erloschen waren, wurde am 14 Juni 1946 der Beschluss gefasst, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern, nämlich das sich das Feuer untertägig zu Grimberg 1/2 durchfressen konnte, das ganze Grubenfeld durch Umleitung des nahe gelegenen Kuhbaches unter Wasser zu setzen. Die Wassermenge zur Überflutung betrug 1,2 Millionen m³. Erst im Sommer 1952 wurde Schacht 3 erneut abgeteuft. Überreste von weiteren Opfern wurden in den 50er- und 60er-Jahren gefunden und unter einem 1952 errichteten Ehrenmal beigesetzt.  1994 wurde der Schacht stillgelegt.

 

Es gab kaum eine Familie im Großraum Bergkamen, die nicht in irgendeiner Weise von dem Unglück betroffen war.  283 Witwen beklagten den Tod ihrer Ehemänner, 433 Töchter und Söhne den Tod ihrer Väter. Einige Kinder und Jugendliche wurden durch das Unglück gar zu Vollwaisen, da ihre tödlich verunglückten Väter bereits früher ihre Ehefrauen verloren hatten. Das menschliche Leid sei unbeschreiblich gewesen.

Doch wie kam es zu dem Unglück? Sicher ist, dass schon während des Krieges Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten worden waren. So habe es auf der Schachtanlage bereits im September 1944 ein schweres Unglück mit 107 Toten gegeben. Vor allem waren es russische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Ob auch 1946 Sicherheitsbestimmungen verletzt wurden, konnten monatelange Untersuchungen und Vernehmungen von überlebenden Bergleuten allerdings nicht klären.

Das Grimberg-Unglück hatte unmittelbare Folgen für das Rettungswesen. Die bisherigen Sauerstoffgeräte der Grubenwehr mit einem Sauerstoffvorrat für zwei Stunden hatten sich auf Grimberg als unzureichend erwiesen. Daher wurden neue Geräte mit einer Einsatzfähigkeit von vier bis acht Stunden entwickelt. 1949 wurden sie nach jahrelangen Erprobungen zugelassen , Dräger-Bergbaugerät Modell BG 170/400 und Bergbau-Gerät Modell 172 Zulassung 1956.

Die Untersuchungen nach dem Unglück hatten auch ergeben, dass die meisten Bergleute an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren. Dabei war eine technische Lösung bereits seit den 1930er-Jahren vorhanden. Ein CO-Filtergerät, das der Bergmann stets bei sich tragen konnte. Etwa die Hälfte aller auf Grimberg gestorbenen Bergleute hätte sich mit einem Filterselbstretter in Sicherheit bringen können.

Schon wenige Jahre nach dem Unglück wurden diese Fluchtgeräte daher für alle im Steinkohlenbergbau tätigen Personen eingeführt. Am 12. Januar 1951 fuhren erstmalig im Ruhrbergbau, auf der Schachtanlage Hannover-Hannibal, Bergleute mit Kohlenoxyd-Filterselbstretter ausgerüstet an. Bis heute müssen unter Tage alle Beschäftigen und auch Besucher solch einen Apparat mit sich führen.