Der Selbstretter

 

 

 

 

Das Streben nach einem sicheren Selbstretter zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte des Grubenrettungswesens. Im Jahre 1904 entwickelte die Wiener Firma Neupert einen Selbstretter ( Pneumatogen) mit chemisch gebundenen Sauerstoff. Einen Vorstoß zur Einführung von Selbstrettern machte 1913 auf dem zweiten Internationalen Rettungskongreß Bergrat Professor Dr. Tübben, der gemeinsam mit dem Drägerwerk den Selbstretter  Dräger-Tübben, ein 4,5 kg schweres Sauerstoff-Kleinschutzgerät schuf. Zur Verwendung unter Tage hielt man dieses Gerät jedoch für ungeeignet. So kam es trotz vielseitiger Bemühungen in keinem bergbautreibenden Land der Welt zu einer Einführung von Selbstrettern.

Die Selbstretterausrüstung für die Belegschaft ist bestimmt in schlagwetterbedrohten Gruben und bei Sprengarbeiten unter Tage. Sollte ein Selbstrettergerät nützlich sein, dann muß es eine Reihe wichtiger Bedingungen erfüllen. Die Konstruktion durfte keine Präzisionsteile haben, der Apparat mußte leicht sein und in wenigen Sekunden betriebsfertig angelegt werden können. Er sollte keine aufwendige Ausbildung im Gebrauch verlangen, ohne weiteres von jedermann richtig anzuwenden und er sollte billig in Anschaffung Unterhaltung und Betrieb sein. Trotz dieser Forderungen sollte der Apparat bei Arbeiten für eine Gebrauchszeit von mindestens 30 Minuten disponiert sein. Dieser Apparat ist nur 3 kg schwer und wird von der Mannschaft wie ein kleines Schnürbündel an kurzen Riemen auf der Schulter oder vor der Brust hängend getragen. Dieser Apparat ist für Mundatmung eingerichtet. Die ausgeatmete Luft wird durch den für Ein - und Ausatmung tätigen Sclauch zur Kalipatrone geführt, dort von CO2 gereinigt und strömt nun in den Atmungsbeutel. Hier wird sie mit Sauerstoff aufgefrischt, dann wieder durch die Kalipatrone gezogen und gelangt doppelt gereinigt wieder zur Einatmung.

 

                                                                                Pneumatogen-Selbstretter, 1904

 

                                                       Im Jahr 1907 entwickelte R.H. Davis den Selbstretter Davis

 

                                                                 Dräger-Selbstretter für den Bergbau im Jahr 1913    Dräger-Hefte

 

                                                              Selbstretter Draeger - Tübben
Dieser Selbstretter Modell Dräger-Tübben 1913 als Seitenbündel wurde nicht nur im Bergbau eingeführt sondern auch bei Feuerwehren und gewerblichen Betrieben. Er war 3,8 kg schwer.

Selbstretter Dräger-Tübben Modell 1913   Dräger-Heft

  Selbstretter Dräger-Tübben Modell  1924  Dräger-Heft


Selbstretter " Liffmann" wurde im preußischen Bergbaubezirk verwendet 

Französischer Selbstretter von 1917

Englischer Selbstretter ca. 1921

Der Draeger Selbstretter Modell 200 ist ein ungekapseltes seitlich tragendes Sauerstoff-Schutzgerät von 120 Litern Sauerstoff.

 

Drägerogen Modell 1928 als bergmännisches Fluchtgerät

 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerike hatte man schon im Jahre 1924  CO Flucht-Filtergeräte eingeführt Typ M.S.A. Selbstretter. Es handelte sich um Mundfiltergeräte die nur gebraucht werden sollten in CO-Konzentrationen bis zu 2% und bei Vorhandensein von 15% Sauerstoff. Das Gerät kostete 7 bis 8 Dollar. Die Kosten trug die Belegschaft. Jeder Mann war für die Instandhaltung selbst verantwortlich. In Deutschland sind ähnliche Filter-Fluchtgeräte vorläufig für den untertägigen Gebrauch noch nicht zugelassen.

 

Seit der Entwicklung der Kohlenoxydfiltergeräte auf der Hopcalite-Grundlage der Nordamerikaner, ist bei allen bergmännischen Selbstrettungsmöglichkeiten immer wieder die Forderung aufgetaucht, untertägige Belegschaft mit Kohlenoxydfilterbüchsen auszurüsten, die beim Gebrauch in kohlenoxydhaltigen Nachschwaden mindestens 30 Minuten lang schützen und somit die Flucht aller Leute ermöglichen, die erst in zweiter Linie von Explosionsgasen erreicht werden.

 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerike hatte man schon im Jahre 1929  CO Flucht-Filtergeräte eingeführt. Es handelte sich um Mundfiltergeräte die nur gebraucht werden sollten in CO-Konzentrationen bis zu 2% und bei Vorhandensein von 15% Sauerstoff. Das Gerät kostete 7 bis 8 Dollar. Die Kosten trug die Belegschaft. Jeder Mann war für die Instandhaltung selbst verantwortlich. In Deutschland sind ähnliche Filter-Fluchtgeräte vorläufig für den untertägigen Gebrauch noch nicht zugelassen.

Gasschutztechnisch war die Ausrüstung 1928 der vor der Kohle arbeitenden Bergleute durch Selbstretter-Gasschutzgeräte durchaus möglich. Das Gasschutzgerät Draegerogen Modell 1928 war dafür brauchbar und löste das Modell 1918/26 für 50 Minuten Gebrauchsdauer ab.  Dieses war ein Alkalisuperoxyd Atemgerät mit sauerstoffliefernder Proxylen-Chemikalpatrone. Es wog 4,3 kg bei 45 minütiger Gebrauchszeit

                                                                                    Draegerogen Modell  1928     Dräger-Heft

 

                                                              Erster Dräger CO-Selbstretter "Fluchtgerät"  1930  Dräger-Heft

 

                                                               Bergmännisches Fluchtgerät Typ Waldenburg  1930 

 

Draeger Selbstretter von 1931. Dieser Filter wurde als Fluchtfilter konstruiert. Er hatte eine Beatmungszeit von 30 Minuten

Selbstretter Draeger Modell 200. Sauerstoffschutzgerät für 1 stündigen Gebrauch  1936

 

Im Jahre 1938
Sauerstoffhilfsgerät für den Bergbau
Es gab Situationen das der Bergmann die Grube nur durch vergaste Baue verlassen konnte. Er musste ohne Schutz der Atemorgane durch vergaste Strecken in Frischwetter gebracht werden. Dadurch erlitten viele Geborgene eine Kohlenoxydvergiftung.
Aus dem tragbaren Sauerstoff-Behandlungsgerät für Erste Hilfe in gifthaltiger Luft wurde das Sauerstoff-Behandlungsgerät für den Bergbau entwickelt.


Es genügte in den 40er Jahren wenn ein Selbstretter eine Gebrauchszeit von 30 Minuten hatte. Heute, 1942 muss verlangt werden das ein Selbstretter seinen Benutzer eine Stunde gegen böse Wetter schützt. Dieses wurde mit dem Draeger Selbstretter, Modell Neurode erfüllt.

 

Bei einem Grubenbrand auf einer Schachtanlage des Ruhrbergbaus hat sich ein Bergmann mit dem Mund an einem Hahn einer Pressluftleitung gelegt, um im vergasten Gebäude zu überleben ,bis die Grubenwehr eintraf. Da der rücktransport durch vergaste Baue führte und keinerlei Hilfsgeräte zum Schutz des Geretteten zur Verfügung standen, musste er ohne Schutz der Atemorgane durch die vergasten Strecken gebracht werden. Der Geborgene erlitt eine schwere Kohlenoxydvergiftung. Nicht nur durch diesen Vorfall wurde der Ruf nach Geräten hörbar, die zum Schutz der Bergleute dienen.

In früheren Jahren gab es im Bergbau für die Grubenwehr eine " Westfalia Führertasche " in einem Ledertornister. Dieses Gerät hatte den Zweck, den in giftigen Gasen aufgefundenen Verunglückten an Ort und Stelle Sauerstoff zuzuführen. Aus diesem bekannten tragbaren Sauerstoff-Behandlungsgerät für Erste Hilfe in gifthaltiger Luft wurde das neue Sauerstoff-Behandlungsgerät für den Bergbau entwickelt. Es bestand aus einerSauerstoffflasche für 0,8 Liter, 1 Sauerstoff-Dosierventil, 1 Kohlenoxyd-Filter, 1 Atemfaltenschlauch und 1 Haubenmaske. Dieses wurde in einer halbstarren Ledertasche untergebracht. Die Haubenmaske wird dem zu bergenden angelegt. Er atmet Aussenluft durch das Kohlenoxydfilter, er ist deshalb geschützt gegen kohlenoxydhaltige Brandwetter und gegen andere Atemgifte. Nach dem öffnen des Verschlussventils der Sauerstoffflasche strömem dem zu Bergenden 5 l/min Sauerstoff zu. Bei einem Flaschendruck von 150 at, arbeitet die Sauerstoffdosierung 20 Minuten.

 

                                                     Erstes Fluchtgerät für den Bergbau mit Tragetasche  1938      Dräger-Hefte

 


                                                                     Dräger Selbstretter Modell Neurode   1941

 

Da man nach dem Unglück auf der Zeche Grimberg 3/4 im Jahre 1946 erkannt hatte, daß die Brandgase eines beginnenden Brandes und auch die mit anderen Wettern vermischten Nachschwaden einer Explosion noch genügend Sauerstoff enthalten, faßte der Fachausschuß für das Grubenrettungswesen  auf Vorschlag der Hauptstelle den Entschluß, ein gebrauchsfähiges CO-Filtergerät als Selbstretter für alle Bergleute einzuführen. Nach Erprobung einer von der Hauptstelle entworfenen Musters bauten die Firmen Dräger und Auergesellschaft AG.  CO-Filter-Selbstretter. Nach mehrfachen Verbesserungen erfolgte die Zulassung der Geräte  für den Ruhrbergbau durch den Fachausschuß für Grubenrettungswesen in den Jahren 1949 und 1950.

 

1947 wurde durch die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen Essen, fünf Draeger-Filterselbstretter an die Zeche Hannover in Bochum ausgeliefert um die Brauchbarkeit der Filter unter Tage zu erproben. Diese Filter wurden Belegschaftsmitgliedern anvertraut die an unterschiedlichen Arbeitsplätzen eingesetzt waren. Die Arbeitsstellen unterschieden sich durch Wärme, Feuchtigkeit, erschwerte Arbeitsbedingungen usw. Nach den auf der Schachtanlage Hannover gesammelten Erfahrungen wurden am 12 Januar 1951 erstmalig 2000 Filterselbstretter an die Untertagebelegschaft ausgegeben. Seit diesem für den Ruhrbergbau denkwürdigen Tag ist der Filterselbstretter täglicher treuer Begleiter aller unter Tage beschäftigten Bergleute.  Allerdings wurde er (noch)-nicht am Mann getragen. In den ersten 6 Monaten nach Einführung des Filters waren 60 Filter monatlich Reparaturbedürftig.

 

Am 12. Januar 1951 fuhren erstmalig im Ruhrbergleute mit Kohlenoxyd-Filterselbstretter ausgerüstet an. Dieser Tag war für die Belegschaft der Schachtanlage Hannover-Hannibal bedeutsam. Seit dem II. Internationalen Rettungskongress in Wien 1913 bestand die Forderung einen Selbstretter zu schaffen, der dem Bergmann die Möglichkeit gibt, sich selbst zu retten wenn Schwaden von Explosionen und Grubenbränden sein Leben bedrohen.

 

Dräger-Filterselbsretter Modell 623 von 1950     Dräger-Hefte

Bergleute von Hannover-Hannibal ausgerüstet mit Dräger Modell 623 Kohlenoxyd-Filterselbstretter


 

 

Auf der Zeche Neumühl hatte man sich entschlossen die Filterselbstretter unter Tage zu lagern. Hierbei wurde jeweils eine Anzahl von Geräten gemeinsam in Blechtrommeln untergebracht und im Betrieb aufgestellt. Die Trommeln mussten dort so zahlreich verteilt sein, dass jeder Bergmann im Falle der Gefahr nur einen kurzen Weg zurücklegen brauchte um den CO-Selbstretter aus der Trommel entnehmen zu können.

 

Der CO -Selbstretter steht nach langer Entwicklung  ( 1952 ) als geeignetes Fluchtgerät aus Explosions und Brandschwaden dem Bergmann zur Verfügung. Die Frage ob das Gerät über Tage täglich ausgegeben wird oder in Trommeln zu 8, 12 oder 16 Stück verpackt an geeigneter Stelle unter Tage verbleibt, blieb den Zechen überlassen.

 

1952 fasste die Schachtanlage Welheim den Entschluss, neben der Lampenstube einen Raum für die Aufbewahrung der Selbstretter einzurichten. Auf den anderen Schachtanlagen musste der Selbstretter, aus Platzgründen, unter Tage in Büchsen aufbewahrt werden. Man entschloss sich den Selbstretter in Selbstbedienung mit einer Markennummer zu versehen. Da das Mitführen der Geräte vorgeschrieben war, mussten die Anschläger bei der An und Ausfahrt darauf achten, dass jeder seinen Selbstretter trug. Nach der Ausfahrt legte jeder sein Gerät vor der Lampenabgabe auf Wagen mit zwei Kästen. Diese Wagen waren mit Nummern gekennzeichnet, es wusste also jeder auf welchen Wagen er sein Gerät legen musste. Nach Beendigung der Seilfahrt schob der Filterwart die Wagen zwischen die betreffenden Ständer und ordnete die Filter wieder ein.

   Regale für Filterselbstretter auf der Zeche Welheim

        Wagen für die Rückgabe der Filterselbstretter


  Filterselbstretter im Stoss. In den Anfängen wurde der

                 Filter nicht am Mann getragen    1953

Rückgabe der Filterselbstretter nach der Schicht     1953


 

 

Bei einem Grubenbrand auf der Zeche Shamrock 1/2 am 31 Mai 1954 haben Bergleute erstmalig CO-Filterselbstretter benutzt und dadurch ihr Leben gerettet.


Auf der Zeche Dahlbusch konnten sich nach dem Unglück am 3.August 1955 durch den neueingeführten CO-Selbstretter 20 Bergleute in Sicherheit bringen.


Schachtbrand auf der Zeche Neumühl vom 7 Januar 1956. Erneut bewährte sich der neue CO-Selbstretter. Durch den Brand mussten 600 Bergleute zum Ausfahren veranlasst werden. Davon benutzten 152 Mann die in den von Rauchgasen gefährdeten Grubenbauen beschäftigt waren die CO-Filterselbstretter.


Wünsche der Betrieb, die Mitnahme des Selbstretters namentlich für Aufsichtspersonen zu erleichtern, lösten 1955 die Entwicklung kleinerer Selbstretter aus. Diese wurden 1956 und 1957 für den Untertagebetrieb zugelassen.

 

                     Auer CO-Filter-Selbstretter Nr.101

              Dräger CO-Filter-Selbstretter, Modell 750


                                                                Bergmann mit angelegtem CO-Filter-Selbstretter

 

Oxy-SR 45
Der Sauerstoff-Selbstretter ist für eine Fluchtzeit von 45 Minuten ausgelegt.
Bei diesem Regenerationsgerät ist eine Regenerationspatrone und eine Chloratkerze erforderlich. Chloratkerze und Atemkalk bilden einen Sauerstoff-Versorgungsblock für 45 Minuten.

                                                                                                     Oxy-SR 45

 

 

Auer SSR 120  K90. Der Sauerstoffselbstretter versorgt den Geräteträger mit Sauerstoff, der aus einem Chemikal          ( Kaliumhyperoxid ) entwickelt wird. Kohlendioxid und Wasserdampf der Ausatemluft reagieren mit dem Chemikal, wobei das Kohlendioyid aus der Ausatemluft entfernt und der Sauerstoff nachgeliefert wird. Es hat eine Betriebsdauer von minimal 90 Minuten bei anstrengender Befahrung und über 400 Minuten bei sitzender Stellung, z.B. beim Warten auf Rettung.

                                                                                          Auer SSR 120  K 90